…und das macht er schon seit vielen Jahrzehnten! Seine Begeisterung für sogenannte „Stop-Motion-Filme“ ist ungebrochen. Für einen solchen Film müssen viele einzelne Fotos angefertigt werden, die dann mit einer Geschwindigkeit von 24 bis 30 Bildern pro Sekunde als Film zusammengefügt werden. Es entsteht der Eindruck, dass die Puppen sich selbständig bewegen.

Der „Kunst-Handwerker“ Hans-Joachim Schmidt mit „Max, dem Motoristen“

Schon vor 40 Jahren faszinierte meinen Vater dieses Kunsthandwerk. Er begann, mit einer Super 8 Kamera nach selbstgeschriebenen Drehbüchern die von ihm konstruierten, gebauten und eingekleideten Puppen in seinen Filmen zum Leben zu erwecken. Heute scheint der dafür getriebene Aufwand unfassbar hoch, denn Filmsequenzen mussten tatsächlich per Hand geschnitten werden. Die einzelnen Szenen hingen an Wäscheklammern und warteten auf ihre Weiterverarbeitung. Der komplett geschnittene Film erhielt eine Tonspur, die anschließend mit dem separat erzeugten und geschnittenen Ton synchronisiert und bespielt werden musste. Computer? Software? Fehlanzeige!

Mittlerweile ist aber auch bei ihm die Digitaltechnik angekommen. Er nutzt sie nicht nur für seine Filme, sondern betreibt seine eigenen Internet Domains.

Eine fertige Puppe wartet auf den Einsatz

Wenn er mir mit Stolz eines seiner neuen Kunstwerke vorführt und ich ihn dann als „Künstler“ lobe, erhalte ich regelmäßig eine Schelte: „Ich bin Handwerker, kein Künstler!“. Die Reaktion kommt aus dem Mund eines preußischen Maschinenbauingenieurs, der sein Leben lang mit unglaublicher Disziplin, eisernem Willen und klarer Zielsetzung ein Familienunternehmen durch alle Höhen und Tiefen geführt hat. Einer, der mich lehrte das Leben in die Hand zu nehmen, den eigenen Weg zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Einer, der seine Enttäuschung verbarg, als ich mich entschied, das Familienunternehmen NICHT weiterzuführen. Einer, der sich aufrichtig für mich freut, dass ich im November eine neue berufliche Herausforderung antrete – 500km von ihm entfernt.

Um die hohe Beweglichkeit der Puppen zu erreichen, ist eine aufwändige Mechanik nötig

Die 78 Lebensjahre haben meinem Vater ein künstliches Knie und ein Hüftgelenk beschert. Beides bereitet ihm Schmerzen, die er nur mit Medikamenten erträgt. Trotzdem sorgt er für meine demente Mutter, die zwar noch einiges selber machen kann, aber mit dem Abarbeiten eines Einkaufszettels komplett überfordert ist. So entwickelte er sich zu einem guten Koch mit Hang zu deutscher Traditionsküche. Und damit nicht genug: Für die Fachzeitung „Motorist“ schreibt mein Vater regelmäßig gut recherchierte Artikel und in der Kolumne „Max – der Motorist“ greift er mit spitzer Feder im Berliner Dialekt aktuelle Themen auf.

Es fällt uns beiden schwer, die Worte „Ich liebe Dich“ über die Lippen zu bringen. Aber das ist nicht wichtig. Viel wichtiger ist das gute Gefühl in meiner Brust, wenn ich an ihn denke.

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